Termine

Veranstaltungsreihe “Therapie mal anders” im Sommersemester 2022

immer Montags, 18:30 Uhr, via Zoom (https://us02web.zoom.us/j/81658949762?pwd=J1zutZF0_FB8EXoHarEsj01em3cKya.1)

 

30.05.22 Franziska Elias: “Ähnlich und doch verschieden?- Die psychologische Beratung im interkulturellen Kontext”

Die psychologische Beratung mit Geflüchteten und Migrant*innen ist vielgestaltig- sowohl bezüglich der Hintergründe, der Lebenslagen als auch des Bedarfs an Begleitung, Beratung und Therapie.

Der Vortrag gibt einen praktischen Einblick in verschiedene Felder der psychologischen interkulturellen Arbeit und zeigt Potential, Herausforderungen sowie Grenzen auf.

Franziska Elias ist Psychologin im PSZ Dresden (Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete und Migrant*innen) und arbeitet seit 2016 in verschiedenen interkulturellen Kontexten.

13.06.22 Kristina Eichel: “Achtsamkeits-Hype: Kritik, Nebenwirkungen und mögliche Kontraindikationen von Meditation”

Die Verwendung und Darstellung von Meditation und Achtsamkeit ist im aktuellen gesellschaftlichen Kontext weitreichend: es wird in Schulen unterrichtet, in Yoga-Studios und in Psychiatrien angeleitet, oder zu Hause in einer App abgespielt- ohne dabei eine differenzierte und individuelle Wirksamkeit und potentielle Nebenwirkungen von Meditation zu berücksichtigen. Die universelle Wirksamkeit wird mit Neurowissenschaften begründet – dabei gibt es große Forschungslücken und die Qualität vieler der vorhandenen Forschungsarbeiten ist fragwürdig. Der Vortrag soll zum Nachdenken anregen und zur Diskussion einladen: Was hat das Ganze mit Buddhismus, kultureller Aneignung und Individualismus zu tun? Welche Effekte von Meditation sind eher unerwartet und belastend? Für wen kann welche Art Meditation hilfreich sein und wer sollte lieber etwas anderes machen? Und wer profitiert davon, dass so viele Menschen meditieren und achtsam sein wollen?

Dr. Kristina Eichel ist Psycholog_in und Kognitionswissenschaftler_in (M.Sc). Nach einem zweijährigen Postdoc an der Brown University in den USA in klinischer Neurowissenschaft zum Thema Achtsamkeit und Meditation, lebt Kris seit 2019 in Berlin, arbeitet als Sexualberater_in und macht die Approbationsausbildung zur Systemischen Psychotherapeut_in. Seit Dezember 2021 arbeitet und lehrt Kris an der FU in einem Forschungsprojekt der klinischen Psychologie zu Publikationsbias.

20.06.22 Philip Keeler: „Wer hat uns krank gemacht?“ – über die gesellschaftliche Produktion von Burnout

Das Leiden an gesellschaftlichen, zumeist ökonomisierten Anforderungen, das Scheitern am neoliberalen Ideal der Selbstverantwortung, internalisierte Schuld- und Schamgefühle über die eigene ›Unzulänglichkeit‹, das mit dem ›Scheitern‹ verknüpfte Gefühl von Würdeverlust diagnostiziert in Burnouts, Anpassungsstörungen und Depressionen, scheint die Krankheit unserer Zeit zu sein. Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich in nahezu allen gesellschaftlichen Schichten breit. Die Auswirkungen dieser Krise sind jedoch wie immer nicht gleich verteilt und treffen Menschen am unteren Ende der Sozialhierarchie besonders hart. Die Antwort auf diese Herausforderung kann keine weitere Individualisierung sein, denn sonst fügt sie sich allzu leicht in die neoliberale Ideologie ein, sie muss stattdessen von Kollektivität geprägt sein.

Anhand der eigenen, persönlichen (Krankheits-)Geschichte begibt sich Philip Keeler auf die Suche nach Antworten auf die allumfassende Frage: „Wer (oder was) hat uns krank gemacht?“. Doch die Geschichte eines Individuums ist immer auch eine Geschichte der gesellschaftlichen Machtverhältnisse die es umgibt. 

Philip Keeler ist freiberuflicher Referent und Trainer in der Globalen Bildungsarbeit. Im Bereich Anti-Diskriminierungsarbeit widmet er sich Fragen rund um Soziale Gerechtigkeit und regt an, eine kritische und politische Haltung gegenüber dem vermeintlich „a-politischen“ Raum der Psychologie zu übernehmen.“

04.07.22 Sascha Bos: “Paradigmenwechsel in der Behandlung von trans* und nichtbinären Kindern und Jugendlichen”

Das wissenschaftlich validierte Wissen über Lebensrealitäten von trans* und nicht-binären Kindern und Jugendlichen wächst rasant. Durch die Neuverortung und Ent-Psycho-Pathologisierung von trans* im ICD-11, können trans* Personen zukünftig einfacher spezifische Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. Die erwartete Selbstbestimmung provoziert mitunter bei Psychotherapeut*innen/Psychiater*innen Unsicherheiten über die künftige Rolle sowie viele Fragen. Die Veranstaltung bemüht sich, einen Grundstock an Wissen bezüglich der aktuellen Veränderungen zu vermitteln. Wie spreche trans* Personen richtig an? Warum sind trans* Personen bezogen auf seelische Gesundheit so benachteiligt? Was ist eine gender-affirmative Behandlung? Wie viele Menschen bereuen die Behandlung? Was ist ein unbewusster Bias? Warum gibt es eine so stark steigende Inanspruchnahme und viele andere Fragen können wir theoretisch und praxisbezogen ergründen. Gerne können – in einem geschützten Rahmen – eignen Beispiele aus der Praxis vorgestellt werden.

11.07.22 Nora Kellner: Vortrag & Lesung “Gegen die Verharmlosung sexualisierter Gewalt”


Montag, 11.04.2022, 19 Uhr: “Gesundheitsversorgung mit Blick auf die Lebensverhältnisse: Das Beispiel der Stadtteilgesundheitszentren” – Gesundheitskollektiv Dresden

Soziale Determinanten von Gesundheit finden in der medizinischen Regelversorgung selten Beachtung. Statt Verhältnisprävention wird Verhaltensprävention betrieben, statt bedarfsorientiert zu arbeiten wird aufgrund der Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung profitorientiert gearbeitet. Eine alternative ambulante Gesundheitsversorgung stellen solidarische Stadtteilgesundheitszentren dar, die die primärmedizinische Versorgung mit Gemeinwesensarbeit im Stadtteil verknüpfen. Das Gesundheitskollektiv beschäftigt sich mit dem Aufbau eines solchen Stadtteilgesundheitszentrums in Dresden und stellt in diesem Vortrag Konzept, den aktuellen Stand und Vorbilder aus anderen Teilen Deutschlands vor.

Gefördert wurde diese Veranstaltung durch die Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.